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 Augustinus Aurelius    

(354-430)
 

 

 

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„Das Meer, das uns fast unendlich vor-kommt, ist im Universum nicht mehr als ein Tropfen.”

Mit einer dünnen Angel am Ufer zu stehen, im Rücken hoch aufragende Berge, voraus die Weite des Meeres, füllt einen mit Demut und dem Gefühl einer gewissen Verlorenheit. Geschehen vor einigen Jahren in Nordnorwegen auf der Insel Senja. Ich hatte damals wenig Anglerglück. Die Fische zogen einen weiten Bogen um mich. Zugegeben: Meine Reaktion auf einen Fisch, wie er den Köder schluckt, wäre wohl eine eher unbedarfte, ungeschickte gewesen. Mein Vater war da der Angler und Experte in der Familie. Wie muss man sich wohl fühlen, wenn man mit einem kleinen Schlauchboot aufs Nordmeer fährt, um einen riesigen Fisch zu fangen, dem Schauergeschichten vorauseilen? Der Norweger Morten A. Strøksnes hat in „Das Buch vom Meer” darüber geschrieben, und das erzählt nicht nur von jenem speziellen Abenteuer, das in dem langen Nebensatz „oder Wie zwei Freunde Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen” bereits angedeutet wird. 

Wer sonst als ein Norweger sollte vom Meer und dem Fischfang berichten. Das skandinavische Land zählt zu den traditionsreichsten auf dem Gebiet der Fischerei, wenn es auch mit seinem Walfang noch immer in der Kritik vieler Tierschützer und -freunde steht. Des Weiteren weist es mit der zweitlängsten Küstenlinie der Welt einen nicht uninteressanten Spitzenplatz vor. Mit der Inselgruppe Skrova rückt der Autor den Schauplatz seines Buches in die Nähe der wohl eindrucksvollsten Küstenlandschaft: die der Lofoten. Auf Skrova lebt und arbeitet sein Freund Hugo Aasjord, ein Künstler, der nicht nur seinem kreativen Beruf nachgeht, sondern gemeinsam mit seiner Frau Mette das Gelände einer ehemaligen Fischfabrik in ein Gemeinschafts- und Kulturzentrum verwandelt. Zwischendurch bleibt Zeit für ein besonderes Vorhaben: die Jagd nach dem Eishai, einem der angsteinflößendsten Geschöpfe der Weltmeere. Mehrere Hundert Jahre alt kann der Eishai werden. Doch die Suche ist kein leichtes Unterfangen, zumal Morten und Hugo nur mit einem Schlauchtboot, später mit einem Kunststoff-Boot aufs Meer fahren, unberechenbare Strömungen und Wetterunbilden für Gefahren sorgen.

Doch Strøksnes erzählt nicht nur von der verwegenen Jagd nach dem Eishai, die neben guten Bedingungen auch mehrere Quäntchen Glück benötigt. Der Norweger lädt vielmehr ein zu einer besonderen Entdeckungstour zum großen und bis heute noch wenig bekannten Schatz der Erde: zum Meer und die Wesen, die in ihm leben, bekannt, gefürchtet oder, in der Tiefsee angesiedelt, wohl noch nie gesehen worden sind. Der Autor reist weit in die Geschichte unseres Planeten zurück, berichtet von der Entstehung der Ozeane, des Wassers, des Lebens und stellt die Mythen der Griechen und Gedanken großer Künstler und ihr Verhältnis zum Meer vor. Immer wieder kehrt er indes zurück in sein Heimatland und schildert dessen einmalige landschaftliche Schönheit und vom Leben der Menschen damals wie heute. Wie Strøksnes vor allem über das Zusammentreffen der Elemente und die vielfältigen Erscheinungen des Lichtes im Norden schreibt, ist poetisch und magisch zugleich. Wer schon einmal im Winter das Land besucht hat, womöglich mit einem der Postschiffe der Hurtigruten die Küste entlang gefahren ist, wird mit diesem Buch in Erinnerungen schwelgen und sicherlich ein Haut Wehmut verspüren. Ich habe mir im vergangenen Jahr mit einer Tour auf der MS Polaris ein Traum erfüllt.


„Das Meer ist der Ursprung aller Dinge. Wellen einer weit zurückliegenden Urzeit durchströmen uns wie das leise Echo eines sanften Plätscherns in einer unzugänglichen Höhle am Meer. Manchmal, wenn wir bei einem starken Sturm am Ufer stehen, hat es den Anschein, als verlangte uns das Meer zurück.”

Der Norweger, der in der Finnmark und damit im nördlichsten Teil des Landes aufgewachsen ist, erweist sich als sensibler und genauer Beobachter und als großer Lehrmeister, der seine Lektion mit faszinierenden und wohl kaum bekannten Fakten anreichert. So hat es einst für die norwegischen Leuchtturmwärter eine Wanderbibliothek gegeben, damit sie auf ihrem Posten die Einsamkeit überstehen, wurde die Haut des Eishais vor dem Krieg vielfach nach Deutschland exportiert, wo sie zu Sandpapier verarbeitet wurde. Für die Lektüre des Buches braucht es für einige Szenen jedoch einen rüstigen Magen, und nicht jeder wird es mögen, über Fischfang und die Tötung der Tiere zu lesen. An einer Stelle beschreibt er die grausame Fang-Weise, den Hai ohne Leber oder ohne Schwanz, aber noch immer lebendig wieder zurück ins Meer zu werfen, wo er ein entsetzliches Ende nimmt.

„Das Buch vom Meer” ist dabei von ganz verschiedenen Stimmungen geprägt. Der Autor legt in Plauderlaune Heiterkeit und Humor an den Tag, um wenig später mit Melancholie und auch wohl dem Gefühl der Entrüstung über die Gefahren für die Meere und ihrer reichhaltige Flora und Fauna zu berichten. Seine Kritik richtet sich dabei auch auf sein eigenes Land, in dem die noch immer boomende Ölindustrie sowie seismische Untersuchungen die Unterwasserwelt bedrohen. Hinzu kommen weltweit die Überfischung, die Vermüllung sowie die Erderwärmung. Eine Erklärung für das Umdenken braucht es nicht, vielmehr rückt Strøksnes einen faszinierenden Gedanken ins Zentrum seiner Überlegungen, nicht als mahnenden und erhobenen Zeigefinger, sondern als grundlegenden Fakt: Wir Menschen stammen aus dem Meer, ohne Meer, ohne Wasser gibt es kein Leben. Dass uns eine Sehnsucht nach dem Meer ergreift, hat also seine Ursachen, tief in der Urzeit verankert.

Der Autor ist für sein Werk vielfach ausgezeichnet worden, er erhielt den Kritikerpreis sowie mit dem Brage-Preis die renommierteste literarische Auszeichnung seines Landes. Beim Lesen habe ich mich manches Mal an Jostein Gaarders Kultbuch „Sofies Welt” zurückerinnert; ein ganz anderes Thema, aber eine ähnliche Erzählweise, die in einer auf den ersten Blick kleinen Geschichte große Fragen und Gedanken behandelt. Ob Strøksnes an den Welterfolg herankommt, wird die Zukunft zeigen. Zu wünschen wäre es ihm, weil er der Öffentlichkeit eines der dringendsten Probleme der Gegenwart vor Augen hält und zudem den Reichtum und die Einmaligkeit der Meere und Ozeane auf unvergessliche Weise beschreibt. Die deutsche Ausgabe zeigt sich im Übrigen in einer wunderschönen Leinen-Optik, die man sehr gern berührt.

 

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Von Clonstanze Matthes, 06618 Naumburg             

 
 

 

 

 

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