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„Wenn ein Böser zu schwach ist, sucht er sich andere Böse. Das beste Einverständnis der Welt herrscht unter Bösen, weil das Böse unmissverständlich ist.”

 

Eine Buchbesprechung von

Constanze Matthes, 06618 Naumburg

 

 

 

 

Romane erzählen Geschichten. „Der Überläufer” von Siegfried Lenz (1926 ? 2014) ist selbst zu einer Story geworden und sorgte für eine der wohl interessantesten literarischen Begebenheiten der letzten Jahre. Große Schlagzeilen landauf landab inklusive. Das postum erschienene Werk ist nach „Es waren Habichte” der zweite Roman von Lenz und war über Jahrzehnte im Nachlass „verschollen”, den der Autor dem Literaturarchiv Marbach vermacht hatte. Der Band war unter anderem nicht veröffentlicht worden, weil er das Thema Desertion aufgreift.

Es sind die letzten Kriegsmonate. Obergrenadier Walter Proska, aus den Masuren stammend, wird nach einem Einsatz rund um Kiew und einem Heimaturlaub wieder in Richtung Osten geschickt. Der Zug fährt auf eine Miene. Proska überlebt als Einziger und gerät an die Einheit des Unteroffiziers Walter Stehauf, die die Eisenbahnlinie bewachen soll und in einer Holzhütte, von der Gruppe als „Festung Waldesruh” bezeichnet, untergekommen ist. Proska soll einen verstorbenen Kameraden ersetzen. Ganz nach dem Motto: Einer geht, ein anderer kommt. Die Soldaten stammen aus den unterschiedlichsten Regionen des Reiches und den verschiedensten Berufen. Einer ist Buchbinder, der andere ein einstiger Artist. Die Mücken in den Rokitno-Sümpfen sind noch die kleinste Gefahr. Immer wieder kommt es zu Begegnungen mit Partisanen. Bereits im Zug lernte Proska die schöne Wanda kennen, die anstatt der Asche ihres Bruders, wie sie sagte, Munition in einer Urne versteckt hielt. Der Tod ist ein stetiger Begleiter. Kaum einer glaubt an eine Rückkehr. Harmonische Augenblicke sind kurz, wer vergisst, im Krieg zu sein, hat schlechte Überlebenschancen. Dieses Schicksal erleidet Zacharias, der kürzlich Vater geworden ist und noch nicht von seiner frohen Botschaft weiß. Erbarmen und Menschlichkeit gibt es nicht. Stehauf ist ein eiskalter Soldat, der hinterrücks einen Zivilisten mit mehreren Schüssen niedermäht. Die Untergebenen richten sich gegenseitig auf. Zum Oberschlesier Jan Zwiczosbirski, wegen einer Verwundung kurz Schenkel genannt, und zu Wolfgang Kürschner, einem kritischen Geist mit dem Spitznamen Milchbrötchen, baut Proska eine vertraut-freundschaftliche Beziehung auf. Mit Kürschner spricht der Obergrenadier viel über Flucht von der Truppe, vor allem weil sich zwischen Proska und Wanda Gefühle anbahnen.

Gerade in den Gedanken der Soldaten liegen Zitate für die Ewigkeit. Proska und Kürschner sprechen über Gehorsam und Pflicht gegenüber dem Vaterland, über das große Verbrechen Krieg, das in den Jahren von 1939 bis 1945 Millionen von Menschen das Leben gekostet und Länder verwüstet hat. Lenz weiß, wovon er den Erzähler berichten lässt. Nach dem Notabitur wird er zur Kriegsmarine einberufen und zählt schließlich selbst zu jenen, die sich als Soldat von der Front abgesetzt hat, was einem Todesurteil gleichkam. Die große Mehrheit der Desertierten, denen nicht die Flucht gelang, wurde erschossen, erhängt oder enthauptet oder kam in Strafbataillonen ums Leben. 22.000 Todesurteile hat es in den Jahren zwischen 1939 bis 1945 auf deutscher Seite gegeben. Im Ersten Weltkrieg waren es „nur” 48. Zahlen, die die Friedensbibliothek Berlin in ihrer Wander-Ausstellung „Entfernung von der Truppe”, benannt nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll (1964), aufzeigt.

Proska überlebt seine Fahnenflucht. Mit den russischen Truppen zieht er nun gen Westen und kommt auf den Hof seines Schwagers, wo eine von jenen unzähligen Tragödien geschieht. Nach Kriegsende macht er in der sowjetischen Besatzungszone Karriere, um schließlich von dort in den Westen zu fliehen. Hier schließt sich die Klammer, die den Leser in die Zeit wenige Jahre nach Kriegsende bringt, in der Proska zurückblickt auf die Geschehnisse. Hervorgerufen werden seine Erinnerungen durch einen Brief, den er an seine Schwester senden will. Während das Kriegsgeschehen örtlich konkret benannt und ausführlich beschrieben wird, bleibt die Nachkriegszeit recht vage. Weder ein Ort noch Proskas berufliche Aufgabe in der sowjetischen Besatzungszone wird erwähnt; Szenen, in denen allerdings auch die stalinistische Verfolgung Andersdenkender anklingt.

„Am Himmel grast die wolkige Einfalt; die stumme Herde ließ den Krieg vergessen. Krieg, ja: das ist die Zeit, wenn das Blut gekeltert wird, Krieg: das ist der mächtige Zorn des Eisens, jene Zeit, da die Panzer mit gleichmütigen Bissen die Landschaft töten; Krieg: das ist das grausam-lächerliche Abenteuer, in das sich Männer einlassen, wenn sie der Hafer des Wahnsinns sticht, die Tage, da Nachsicht und Geduld rar werden, da jedem eine Stoppuhr läuft ? und keiner kennt die düsteren Zeitnehmer (?.).”

„Der Überläufer” ist ein Antikriegsroman mit einer enormen Wucht. Lenz setzt immer wieder Schockmomente, zeigt, dass im Krieg keiner unbeteiligt bleibt und jeder dabei Schuld auf sich lädt. Trotz dieser Dramatik streut Lenz auch komische Szenen ein: Wenn „Schenkel” auf die erfolglose Jagd nach dem Hecht geht, der ehemalige Artist Baffi mit Alma eine gezähmte Henne an seiner Seite weiß. In diese beiden doch so verschiedenen Ebenen wirkt Lenz voller Poesie die Natur als Hauptdarsteller ein, der wie bei einem menschlichen Wesen Eigenschaften zugeschrieben wird.

Blickt man über dieses eindrucksvolle Werk, das eine kreativere Einband-Gestaltung verdient hätte, hinaus, erscheint es erstaunlich, dass in relativ kurzer Zeit zwei große Romane sich dem Thema Fahnenflucht und Desertion widmen: Denn auch in dem aktuellen Werk von Ralf Rothmann „Im Frühling sterben” (Suhrkamp) wird davon berichtet. In der Ausgabe von „Der Überläufer” wird im Anhang auf die interessante Geschichte des zum Jahreswechsel 1951/52 abgeschlossenen Romans eingegangen, so auch auf die Debatte zwischen Lenz und dem Lektor und Germanisten Dr. Otto Görner, die schließlich dazu führte, dass das Werk trotz Korrekturen und Überarbeitungen in der Schublade verschwand. Gott sei Dank mit keinen erheblichen Auswirkungen auf die spätere Karriere des Autors und sein späteres reichhaltiges Wirken, das leider nicht mit einem Literaturnobelpreis bedacht wurde.

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